Bildungsnews der GEW

Neue ILO-Zahlen: Rückgang von Kinderarbeit, aber viel zu langsam

Die ILO hat im September 2017 einen neuen Bericht zu Kinderarbeit veröffentlicht. Der Bericht mit dem Titel ‚Global Estimates of Child Labour – Results and Trends, 2012 – 2016‘  zählt 152 Millionen arbeitende Kinder weltweit, davon 73 Millionen mit gefährlicher Tätigkeit. Die gute Nachricht: die Anzahl arbeitender Kinder geht weiterhin zurück. Die schlechte: Der Rückgang hat sich deutlich verlangsamt. Und nicht alle sind in der Statistik berücksichtigt.

Auslandsschulen: Lehrkräfte besser auf ihre Tätigkeit vorbereiten

„Deutsche Auslandsschularbeit und interkulturelle Sozialisation“: Unter dieser Überschrift luden die GEW und die Universität Erlangen-Nürnberg zu einer zweitägigen Tagung nach Nürnberg ein. Jutta Mägdefrau, Professorin an der Universität Passau, berichtete dort, dass sie rund 350 Lehrkräfte an Deutschen Auslandsschulen stichprobenartig befragt habe. Ergebnis: „Wir haben zehn Prozent hochbelastete Kollegen draußen“. Rund 60 Prozent berichteten ihr zufolge, dass sie bereits über den Abbruch ihrer Auslandstätigkeit nachgedacht hätten.

Grundbildung: Mehr politische Unterstützung erforderlich

Die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, hat zum Weltalphabetisierungstag im September an die Bedeutung der Erwachsenenbildung erinnert. Trotz aller Anstrengungen und vieler guter Ansätze verbleibe die Zahl der tatsächlich erreichten Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Grundbildung auf einem zu niedrigen Niveau, bilanzierte jüngst auch die Bundesfachkonferenz Grundbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbands mit rund 140 Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft und Politik.

Anhaltender Aufwärtstrend beim dualen Studium

Auch bei den Studiengängen ist laut BIBB ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen: Derzeit sind 1.592 Angebote von deutschen Hochschulen registriert. Zugleich bieten immer mehr Betriebe Ausbildungsplätze für ein duales Studium an. Während im Jahr 2004 von den Unternehmen knapp 18.200 Angebote zur Verfügung standen, sind es nun rund 48.000 Kooperationsangebote.

Berufsverbote: „Die alte Wut bleibt“

Meist ist Reinhard Gebhardt viel zu beschäftigt, um über alte Zeiten zu grübeln. Doch manchmal kommt alles wieder hoch: „Das ganze Unrecht.“ Und: „Die alte Wut bleibt“, sagt Gebhardt. Der 68-Jährige lebt in einer winzigen Einzimmerwohnung in Mannheim. Mit seiner mickrigen Rente von 652 Euro kommt er kaum über die Runden. Dabei wollte er in den 1970er-Jahren Grundschullehrer werden. Dann hätte er heute locker 1.000 Euro mehr im Monat. Aber daraus wurde nichts. Gebhardt gehörte der 68er-Bewegung an, war beim Kommunistischen Bund Westdeutschland aktiv.

Radikalenerlass: „Aufarbeitung steht noch aus“

Der Radikalenerlass von 1972 hat die demokratische Grundordnung nach Ansicht des Historikers Dominik Rigoll mehr beschädigt als beschützt. „Es gab über 10.000 Ablehnungsverfahren, unzählige Personen wurden zu politischen Anhörungen geladen. Rechtskräftig waren – in Anführungszeichen – nur rund 1.000 Fälle. Bei über zwei Millionen Regelanfragen bis 1990.

Wirtschaft muss Perspektiven beruflicher Ausbildung bieten

Seit Jahren gibt es eine Dynamik in der beruflichen Ausbildung. Die Berufsbildungspolitik würdigt gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden und Industriegewerkschaften das Flaggschiff der Berufsbildung in Deutschland, das duale System, und unterstützt es mit Pakten und Allianzen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Ausbildungsverträge und immer mehr Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück.

Ausbildungsplätze fehlen weiter

Die Freude darüber, dass sich die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage in der dualen Ausbildung rechnerisch in den vergangenen Jahren verringert hat und die Bundesagentur für Arbeit in diesem August in etwa Gleichstand beider Größen meldete, kann man getrost teilen. Aber man sollte der Freude nicht zu ausgelassen Ausdruck verleihen: Selbst ein bundesweiter numerischer Gleichstand von Angebot und Nachfrage bedeutet für die Jugendlichen noch lange kein auswahlfähiges Ausbildungsplatzangebot.

Umzug der Beruflichen Bildung ins Wirtschaftsministerium

Der Koalitionsvertrag zur Bildung einer neuen Landesregierung, den CDU, FDP und Grüne in Schleswig-Holstein geschlossen haben, sieht ein Schleswig-Holsteinisches Institut für Berufliche Bildung SHIBB in Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums vor. Als beratendes Gremium wird demnach ein Kuratorium mit Vertreterinnen und Vertretern der relevanten Ministerien, der Sozialpartner, Schulträger und berufsbildenden Schulen eingerichtet. Dem Institut soll vollständige Eigenständigkeit mit eigenem Haushalts- und Stellenplan gewährleistet werden.

Berufliche Bildung muss reformiert werden

Der Großteil der jungen Menschen strebt nach wie vor seinen Einstieg ins Arbeitsleben über eine berufliche Ausbildung an: Zum vergangenen Herbst schlossen Handwerk, Handel und Industrie 520.000 neue Lehrverträge ab, zugleich starteten 220.000 junge Menschen eine Ausbildung im berufsqualifizierenden Schulsystem – etwa um Krankenschwester, Pflegerinnen beziehungsweise oder Erzieherin beziehungsweise Erzieher zu werden. Diesen 740.000 Auszubildenden standen 420.000 Studienanfängerinnen und -anfänger gegenüber.