Bildungsnews der GEW

Unnötiger Luxus in Zeiten knapper Kassen?

Die Bildungsinfrastruktur verkommt inzwischen immer mehr zu einem reinen Reparaturbetrieb. Ein gestalterischer Anspruch bei Fragen des kommunalen Schulaus- und -umbaus – verstanden auch als ein Beitrag für innovative pädagogische Konzepte – scheint zunehmend in den Hintergrund gedrängt zu werden. Aufgaben und Aktivitäten in Schulen haben sich so verändert, dass die bisherige räumliche Klassenraum-Flur-Konzeption nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulbau entspricht.

Bitte endlich in Schulen investieren!

In skandinavischen Ländern gilt der Schulraum als „dritter Pädagoge“ – neben den Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften. Schulen und Klassenzimmer sollen flexibel nutzbar und individuell gestaltet sein. Ein angenehmer Raum, so die Erkenntnis in den nordischen Staaten, wirkt sich positiv auf Lernklima und Konzentration aus. Gemessen daran ist der Zustand vieler Schulen in Deutschland mehr als ernüchternd. Die allermeisten sind entweder alte oder rein funktionale Gebäude; häufig zudem in einem maroden und baufälligen Zustand.

Thüringer Altlasten

Zeugnisse ohne Noten – was für Schülerinnen und Schüler ein Traum ist, wurde in Thüringen zum Ende des ersten Schulhalbjahres 2017/18 zum bildungspolitischen Albtraum. Landesweit gab es in Hunderten Schulklassen Zeugnisse, die teilweise große Lücken enthielten: Fächer wie Sport, Musik, Kunst, Ethik, Physik, Chemie oder Biologie wurden aufgrund des Ausfalls von Unterricht nicht bewertet. Grund dafür war der anhaltende Lehrkräftemangel im Land. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) spricht von einem „strukturellen Problem“.

Wenn Nichtstun keine Option ist

Für Lehrkräfte in der Türkei gibt es derzeit wenig zu lachen. Die meisten stehen vor total überfüllten Klassen, an allen Ecken und Enden fehlt Personal, während die Regierung dabei ist, das ehemals säkulare Bildungssystem auf einen stramm islamischen Kurs umzusteuern. Wer nicht mitmachen will, etwa als Mitglied oder gar Funktionär der demokratischen Lehrkräftegewerkschaft Eğitim Sen, muss froh sein, wenn er oder sie überhaupt noch unterrichten darf. Tausende Lehrkräfte verloren seit dem Putschversuch im Juli 2016 ihre Jobs, etliche flüchteten ins Ausland oder sitzen im Gefängnis.

Wenn Protest etwas bewirkt

„Für Lehrkräfte in Burkina Faso sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen sehr schwierig“, sagt Souleymane Badiel und nennt als Beispiel, dass Klassen mit mehr als 100, gelegentlich sogar über 200 Schülerinnen und Schülern keine Seltenheit seien. Der Generalsekretär des Verbandes der Nationalen Gewerkschaften der Beschäftigten in Bildung und Forschung (F-SYNTER) sorgt sich auch um das Ansehen des Berufs in seinem Lande. Ein Lehrkräftegehalt sei zum Leben zu wenig, sagt Badiel.

Der unmögliche Klassenkampf

„Unsere Schülerinnen und Schüler gehen durch die Schule, doch die Schule geht nicht durch sie“, fasst Phillip Duluga die Misere des Bildungssystems Ugandas in einem Satz zusammen. Der Generalsekretär der Lehrkräftegewerkschaft Uganda National Teachers' Union (UNATU) sitzt in seinem engen, vollgestopften Büro im ersten Stock des „Haus des Lehrers“ im Zentrum der Hauptstadt Kampala, neben ihm sein Stellvertreter Filbert Baguma. Die beiden brüten über dem Entwurf eines „Weißbuchs für nationale Bildung“, das sie der Regierung unterbreiten wollen.

Zähe Verhandlungen mit Happy End

Der Druck der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter war die Voraussetzung dafür, dass die entscheidende Verhandlungsrunde für die im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen Beschäftigten in Potsdam erfolgreich endete. Ohne ihn hätten sich Bundesinnenministerium (BMI) und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) nicht bewegt; Tarifrunden sind keine Selbstläufer. Allen Aktiven – an den Warnstreiks beteiligten sich nahezu dreimal so viele GEW-Kolleginnen und -Kollegen wie 2016! – danke ich herzlich.

„Bewegung gegen die Tyrannei“ gegen Duterte

Raymond Basilio ist Generalsekretär der größten Lehrkräftegewerkschaft der Philippinen, der Alliance of Concerned Teachers (ACT). Die ACT vertritt die Interessen des Lehrpersonals in öffentlichen Schulen. Sie tritt zudem bei Parlamentswahlen an und stellt zwei Abgeordnete.

Im Kampf gegen das eigene Volk

Die offizielle Statistik spricht von rund 4.000 in Polizeioperationen getöteten „Drogendealern“, Menschenrechtsorganisationen gehen von bis zu 20.000 Todesopfern aus. Zusätzlich wird der Inselstaat von Krisen geplagt, die weniger im Fokus der Medien sind – aber nicht weniger grausame Folgen haben. Eine große Herausforderung ist der sogenannte Islamische Staat (IS). Seit dieser aus Syrien und dem Irak vertrieben wird, ziehen viele seiner Kämpfer auf die Philippinen.