Bildungsnews der GEW

Soziale Ungerechtigkeit setzt sich an der Hochschule fort

Soziale Ungerechtigkeit setzt sich an der Hochschule fort. "Von 100 Akademikerkindern landen 77 in einem Studium. Bei den Nichtakademikerkindern sind es gerade einmal 23", sagt der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), Dieter Timmermann, im "E&W"-Interview. "Da erben die Hochschulen letztlich etwas, das schon im Schulsystem schief läuft."

GEW-Vertreterinnen in Ankara: "Die politischen Verhältnisse sind bedrückend"

Vor dem Hintergrund brutaler politischer Repressionen plädiert der türkische Lehrer Lami Özgen für internationale Solidarität. Demokratie und Gewerkschaftsrechte seien in der Türkei weiter bedroht, nach dem Verfassungsreferendum vom April habe sich die Lage noch zugespitzt, sagte Özgen beim KESK-Kongress vom 7. bis 9. Juli in Ankara. KESK ist der Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in der Türkei, Özgen ist Co-Generalsekretär. Zum Zeitpunkt des Kongresses war bereits eine mehrjährige Haftstrafe gegen ihn verhängt worden, weitere Anklagen drohten.

Ein starkes Fundament schaffen

Um Bildungsgerechtigkeit zu erklären, verwende ich häufig einen Cartoon. Dort steht ein Schiedsrichter, die Trillerpfeife im Mund. Er soll die Zeit stoppen, bis der erste Kletterer den Baumgipfel erreicht, die Krone des Bildungserfolgs. An der Startlinie sieht man einen Affen, einen Pinguin, einen Elefanten und einen Fisch im Wasserglas.

In Madrid hat es "Wow!" gemacht

Die in Deutschland übliche frühe Verteilung auf verschiedene Schultypen behindert nach Ansicht von Experten die Umsetzung von Inklusion. "Wenn Selektion nicht der Normalfall ist, lernen Schulen professioneller mit Diversität umzugehen. Die Ausstattung für Unterricht in heterogenen Gruppen ist besser; die Lehrkräfte haben andere Kompetenzen", sagte die Sonderpädagogin Kerstin Merz-Atalik im "E&W"-Interview.

Kita-Qualitätsgesetz braucht mehr Verbindlichkeit

Beim geplanten Qualitätsentwicklungsgesetz für deutsche Kitas sieht die GEW Verbesserungsbedarf. Die Vorgaben für Länder und Kommunen seien nicht verbindlich, kritisiert der Leiter des Organisationsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit, Björn Köhler. "Die Länder müssen alle Werkzeuge nutzen. Es kann nicht sein, dass ein Land erklären kann, ihm reiche die Leitungsfreistellung vollkommen aus und die anderen Werkzeuge der Qualitätssicherung ignorieren darf." 

Schulprofis fördern

Wie sieht es aber mit der Professionalisierung derjenigen aus, die sich Tag für Tag den Aufgaben im Berufsfeld Schule stellen? Diesem Thema widmet sich Heft 1/2017 der Deutschen Schule (DDS), die der GEW-Hauptvorstand herausgibt.

Mehr gebundene Ganztagsschulen gefordert

Der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos sieht bei den deutschen Ganztagsschulen noch viel Verbesserungsbedarf. "Wirklich erfolgreich sind nur die gebundenen Modelle, bei denen alle Kinder an den Angeboten teilnehmen – mit Rhythmisierung des Unterrichts und Förderung durch gut ausgebildetes Personal. So arbeitet bisher aber nur ein kleiner Teil der Ganztagschulen", sagte Bos im "E&W"-Interview.

Neues Bundesprogramm zum Ganztagsschulausbau wird wahrscheinlicher

Analysiert man die Wahlprogramme der Parteien und zieht Aussagen ihrer Spitzenpolitiker hinzu, erscheint die Neuauflage eines Bundesprogramms zum Ganztagsschulausbau ab 2018 immer wahrscheinlicher. Am konkretesten wird die SPD in ihrem Programmentwurf: Sie will bis 2021 für Eltern von Grundschulkindern einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz durchsetzen. Sollten sich die Bundesländer nicht geschlossen auf die "Bund-Länder-Bildungsallianz" einlassen, strebe die SPD Einzelhilfen für bedürftige Kommunen an, sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der "E&W".

Plötzlich Sanierungsprogramm

Manchmal haben Themen in der Politik Konjunktur - und niemand weiß, warum. In diesem Fall ist das jedoch nicht so: Die GEW kann mit Fug und Recht von sich behaupten, den Stein ins Rollen gebracht zu haben. Im September 2016 hat sie der Bundesregierung ein Sanierungs- und Modernisierungsprogramm für marode Schulen und Hochschulen vorgeschlagen - zum Auftakt der GEW-Initiative "Bildung. Weiter denken!" und mit Blick auf ihren Forderungskatalog für die Bundestagswahl 2017.

Kommentar zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz

Die größte Zahl des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Das 2007 in Kraft getretene Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) trägt den Besonderheiten der Beschäftigung im Hochschulbereich Rechnung. Knapp zehn Jahre später überarbeitete der Gesetzgeber das WissZeitVG umfassend. Die am 17. März 2016 in Kraft getretene Novelle verursachte indes vielfältige praktische Folgeprobleme.