Bildungsnews der GEW

Zugang zu Bildung verweigert

Experten kritisieren das deutsche Erstaufnahmesystem: Dieses sei "auf eine systematische Verletzung des Rechts auf Bildung für Flüchtlingskinder ausgerichtet", sagt Tobias Klaus vom Bundesfachverband minderjährige unbegleitete Flüchtlinge (BumF). Der Bildungsexperte Lothar Krappmann spricht in diesem Kontext von einer "Missachtung des Kindeswohls".

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs: Regierungsstellungnahme „ernüchternd“

Die Bildungsgewerkschaft GEW findet die Regierungsstellungnahme „ernüchternd“. Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs wurde von einem wissenschaftlichen Konsortium unter der Leitung des Instituts für Innovation und Technik in Berlin erstellt und kommt zu dramatischen Befunden. 93 Prozent der dem "wissenschaftlichen Nachwuchs" zugerechneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind nur befristet beschäftigt.

Quantität und Qualität von Kinder- und Jugendhilfe klaffen auseinander

Experten aus Kinder- und Jugendhilfe sehen bei der Qualität der vorhanden Angebote noch Nachholbedarf. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, Karin Böllert, sagte beim Kinder- und Jugendhilfekongress der GEW, während Infrastruktur und Angebote sich quantitativ enorm ausgeweitet hätten, sei der "Qualitätsausbau erst in den Anfängen". Die Ganztagsschulen etwa leisteten "nicht im Ansatz" das , was sie sollten.

Unterschiedliche Inklusions-Entwicklung in den Ländern

Als Deutschland 2009 der UN-Konvention über die "Rechte von Menschen mit Behinderungen" beitrat, duckte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) zunächst einmal weg. Zu sehr war man noch mit den Spätfolgen des PISA-Schocks von 2001 und der Verständigung auf neue Bildungsstandards beschäftigt. Zugleich wollte Politik um jeden Preis - auch in allen SPD-geführten Bundesländern - eine neue Schulstrukturdebatte unterbinden. So verlief die Inklusionsentwicklung in den Ländern völlig unterschiedlich, wie ein aktueller Blick nach Bremen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen zeigt.

Kooperation auf allen Ebenen

Seit dem Kongress von Salamanca über "Special Needs Education" 1994 und nicht zuletzt der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen - die Deutschland 2007 unterzeichnet hat, 2009 trat sie in Kraft - ist Inklusion klar definiert: eine diskriminierungsfreie Teilhabe aller Menschen an Gesellschaft und Bildung, unabhängig von Alter, sozialer, kultureller oder ethischer Herkunft, Fähigkeiten, Geschlecht, sexueller Orientierung oder körperlicher Verfassung.

Die Illusion der Inklusion

Obwohl immer mehr Schulen inklusiv arbeiten und eine Mehrheit der Lehrkräfte Inklusion nicht grundsätzlich in Frage stellt, brodelt es in den Lehrerzimmern, vor allem in den Grundschulen. In Hamburg fordert die Volksinitiative Gute Inklusion unter anderem je drei Unterrichtsstunden mehr für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt LSE (Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung).

Inklusion im Alltag: "Es wird immer schwieriger, allen gerecht zu werden"

  • Lydia Puschnerus ist am Robert-Blum-Gymnasium in Berlin tätig:

"Meine erste Stelle nach dem Referendariat hat mich sofort in ganz unterschiedliche Gruppen geführt: In Regelklassen unterrichte ich Englisch und Spanisch; und ich leite eine Willkommensklasse. Mit dem, was man gemeinhin unter Inklusion versteht, haben wir wie die meisten Gymnasien nicht viel zu tun. Allerdings gibt es eine Inklusionsbeauftragte; sie kümmert sich etwa darum, für Kinder mit speziellen Förderbedarfen, wie Hörproblemen, Anträge zu schreiben.

Mammutaufgabe Inklusion

Mit dem Beitritt zur Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) 2009 hat sich Deutschland verpflichtet, alle Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderungen gemeinsam zu unterrichten. Damals war es den wenigsten klar, dass sich das Land damit auf ein Großprojekt einließ: Inklusion verändert nicht nur die Struktur des Schulsystems. Es zwingt Schulen auch dazu, den Unterricht umzukrempeln.

E&W 5/2017: Inklusion

Auch die Qualität von Kinder- und Jugendhilfe muss verbessert werden. Das war Konsens beim Kinder- und Jugendhilfekongress der GEW im April in Berlin. Neustrukturiert werden muss nach Ansicht der GEW auch die Promotionsphase: Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Promovierenden bricht derrzeit ihr Forschungsprojekt ab.