„Arbeit an der Uni“ – studentische Hilfskräfte organisieren sich

Für die Professorin Recherchearbeit leisten, E-Mail-Verteiler pflegen, Veranstaltungen organisieren, Technik administrieren, Informationen aufbereiten, Bücher wieder an den richtigen Ort bringen – studentische Hilfskräfte sorgen an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen für einen reibungslosen Ablauf in Bibliotheken, auf Veranstaltungen oder in Instituten. Sie unterstützen Forschung und Lehre und stehen Anderen häufig schnell und unkompliziert für Fragen zur Verfügung. Über 28.000 studentische Hilfskräfte arbeiten in NRW – oft bis spät in den Abend, z.B. in den Bibliotheken, die erst um 22 Uhr schließen. Sie sind der Unterbau der Universitäten und Fachhochschulen. Seit Anfang des Jahres 2016 beginnt sich dieser Unterbau allmählich zu organisieren. So auch an der Universität Duisburg-Essen – der Universität, an der auch ich als studentische Hilfskraft arbeite.

Zusammen mit nur einigen wenigen studentischen Hilfskräften wurde zu Jahresbeginn ein erstes Treffen in Duisburg organisiert. Schnell war klar, dass der Bedarf nach gegenseitigem Austausch hoch ist. So sprachen wir zu Beginn über unsere Bedingungen am jeweiligen Arbeitsplatz, erstaunt über die zum Teil gravierenden Unterschiede. Ob Überstunden oder Vertragslaufzeiten, ob Arbeitszeiten oder Urlaub, je nach Arbeitsplatz sahen wir uns je verschiedenen Praktiken und Übereinkünften ausgesetzt. Die Notwendigkeit für wie auch der Wille zu einem fortlaufenden und regelmäßigen Austausch war offensichtlich. Doch für wen sind wir eigentlich da? Wen wollen wir erreichen? Wie und wo wollen wir uns aktiv einbringen? Welche Ziele haben wir? Die ersten Treffen liefen auf die Selbstfindung einer Initiative von studentischen Hilfskräften hinaus, die weder institutionalisiert noch formalisiert ist. Unstrittig war, dass wir so schnell wie möglich viele weitere studentische Hilfskräfte an der Universität Duisburg-Essen erreichen wollen; dass wir nicht unter uns bleiben dürfen; dass es viele studentische Hilfskräfte gibt, die jenen Austausch suchen, den wir betreiben. Nach dem die Studierendenzeitung „akduell“ berichtete, war auch das Campus-Radio „CampusFM“ auf uns aufmerksam geworden. Der Kreis der Aktiven wuchs. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und das Studierendenparlament konzentrierte sich auf uns, weil wir es waren, die als erstes einen Entwurf zum Wahlprocedere der Beauftragten für die Belange studentischer Hilfskräfte vorlegten. Diese Stelle wurde durch die Reform des Hochschulgesetzes NRW geschaffen und institutionalisiert erstmals eine Vertretung der studentischen Hilfskräfte. Denn studentische Hilfskräfte sind bei Personalratswahlen – anders als wissenschaftliche Hilfskräfte – nicht wahlberechtigt.

Während die Zahl der Aktiven und damit auch die Vielfalt der in der Initiative repräsentierten Arbeitsplätze wuchs, mehrten sich auch die Kontakte zu Gewerkschaften. Auf der Suche nach Informationen zu Rechten und Ansprüchen von studentischen Hilfskräften, nach Lohnunterschieden an den Hochschulen in NRW und auf der Suche nach Unterstützer_innen lag die Kontaktaufnahme zu Gewerkschaften nahe. Es folgten Gespräche mit Vertreter_innen des DGB NRW, der GEW NRW und den Jugendbildungsreferenten für Duisburg und Essen.

Mittlerweile verfügt die Initiative der studentischen Hilfskräfte über eine eigene E-Mail-Adresse (shk-vertretung [at] uni-due [dot] de) und erfreut sich der Unterstützung des AStA und der Gewerkschaften. Zusammen wird nun an der Planung einer gemeinsamen Informationsveranstaltung zu Beginn des Wintersemester 2016/2017 gearbeitet; Aktive aus der Initiative der studentischen Hilfskräfte nehmen an Treffen des Arbeitskreis Studierende des DGB NRW teil. Damit steht der Organisationsprozess studentischer Hilfskräfte an der Universität Duisburg-Essen aber erst am Anfang. Dieser Prozess wird auch nicht mit der Wahl der Beauftragten Ende des Jahres 2016 abgeschlossen sein. Der Kampf um gute Arbeitsbedingungen im Unterbau, er geht weit darüber hinaus – in Duisburg, Essen und anderswo.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Duisburg
Essen