Interview: Attraktive Studienangebote im House of Labour

Das House of Labour wird von zwei Säulen getragen: Der Europäische Akademie der Arbeit (EAdA) in der Universität Frankfurt am Main und der Academy of Labour gGmbH.

Die Europäische Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt a.M. wurde 1921 als erste deutsche Hochschule für das arbeitende Volk gegründet. Unter dem Dach der Universität Frankfurt und getragen von den deutschen Gewerkschaften war es das Ziel, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne formelle Hochschulzugangsberechtigung durch ein wissenschaftliches Studium Teilhabe im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben zu ermöglichen. Der Kreis an Absolventen, die dann Minister, Oberbürgermeister, Gewerkschaftsvorsitzende, Betriebsratsvorsitzende und engagierte Mitstreiter der betrieblichen Interessenvertretung wurden zeigt deutlich, dass dies ganz gut gelungen ist.

Die AoL gGmbH ist der Kooperationspartner der EAdA; beide Institutionen arbeiten eng zusammen. Gemeinsam bilden sie das House of Labour. Gründungsgesellschafterin der AoL gGmbH ist die  IG Metall. Zielgruppe der Angebote der AoL sind die hauptamtlichen Beschäftigten der Gewerkschaften und aus dem Bereich der Non-Profit-Organisationen, Führungskräfte in der betrieblichen Interessenvertretung sowie betriebliche Kolleginnen und Kollegen.

Wir sprechen im hochschulblog mit Prof. Dr. Martin Allespach. Er ist Leiter und Direktor der Europäischen Akademie der Arbeit und einer der beiden Geschäftsführer der Academy of Labour.

Wie muss man sich das Studium an der EAdA vorstellen?

Die EAdA – im Übrigen eine sehr traditionsreiche Einrichtung die 2021 ihr 100jähriges Bestehen feiert - ist in Europa inzwischen einmalig. Hier setzt man sich auf hohem wissenschaftlichem Niveau interdisziplinär mit dem Thema Arbeitsbeziehungen auseinander.

An der EAdA lernen zwischen 40 und 50 Studierende über ein Jahr in den Schwerpunkten Ökonomie und Betriebswirtschaftslehre, Recht, Industrie- und Arbeitssoziologie, Sozialpolitik sowie Management und Organisation. Die Studierenden wohnen zum überwiegenden Teil an der EAdA und bekommen ein Stipendium.

Die Studierendenschaft der EAdA ist heterogen zusammengesetzt. Studierende mit Berufsausbildung und Berufserfahrung sowie z.T. umfangreichen Erfahrungen in der betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung lernen gemeinsam und solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen, die bereits über einen Studienabschluss verfügen.

Nach dem Studium an der EAdA nehmen die Absolventinnen und Absolventen eine hauptamtliche Tätigkeit bei den Gewerkschaften auf, gehen zurück in die Betriebe und übernehmen Führungsaufgaben in der betrieblichen Interessenvertretung, studieren weiter oder übernehmen ganz neue berufliche Aufgaben.

Welche Bildungsangebote bietet das House of Labour darüber hinaus? Kann man auch einen Bachelor-Abschluss erreichen?

Ja, das kann man. Seit September 2016 gibt es einen berufsintegrativen Bachelorstudiengang mit Schwerpunkt Personal und Recht. In dem BA-Studium beschäftigt man sich mit Themen wie Arbeitsbeziehungen, Arbeitspolitik und Arbeitsgestaltung aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht. Das Studium dauert regulär 36 Monate. Das EAdA-Studium wird voll angerechnet und reduziert die Studiendauer auf 18 Monate.

Die Studierenden müssen ihre Berufstätigkeit nicht unterbrechen und bringen ihre eigenen praktischen Erfahrungen mit in das Studium ein.

Wer ist Zielgruppe für die Bildungsangebote? Für wen sind die Angebote besonders interessant?

Der Studiengang ist auf die Bedürfnisse von Fach- und Nachwuchskräften aus Gewerkschaften und Non-profit Organisationen, Betriebs- und Personalräten sowie Personen, die im Management oder Personalbereich tätig sind oder eine solche Position anstreben abgestimmt. Ziel ist die umfassende Vermittlung der theoretischen  Grundlagen aus Wirtschaft, Recht, Soziologie, Organisation und Management in Verbindung mit praktischem Wissen und der Orientierung auf den Beschäftigten.

Berufsbegleitend zu studieren ist nicht immer einfach. Welche Unterstützungsangebote gibt es für erfahrenere, berufsqualifizierte Studierende an der EAdA?

Das Studium legt Wert auf eine Verzahnung von Theorie und Praxis. Es ermöglicht den Studierenden, das erworbene theoretische Wissen direkt in die berufliche Praxis umzusetzen und ihre Praxis theoretisch zu reflektieren. Dadurch ist eine ganz eigen kontextbezogene Didaktik und ein situiertes, erfahrungsbezogenes Lernen möglich. Selbstverständlich unterstützen die Dozentinnen und Dozenten diesen Prozess in vielfacher Weise. Darüber hinaus werden die Studierenden durch die Academy of Labour wissenschaftlich und organisatorisch begleitet – vom ersten Beratungsgespräch bis zum erfolgreichen Studienabschluss.

Dieser hochschulblog wird vor allem in Nordrhein-Westfalen gelesen. Warum ist es auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus NRW interessant? In welchem Umfang ist eine Präsens in Frankfurt erforderlich?

Das Angebot zielt nicht auf Interessenten einer bestimmten Region. Unsere Studierenden kommen aus ganz Deutschaland, viele auch aus NRW. An der EAdA gibt es sogar regelmäßig auch Studierende aus anderen Ländern, etwa aus Polen, Italien, China.

Die EAdA ist ein Vollzeitstudium. Die Studierenden wohnen im Wohnheim in Frankfurt. Das ist durchaus eine Herausforderung wenn man Familie und Kinder hat. Die Erfahrungen zeigen aber, dass sich das Studium und das Privatleben durchaus gut vereinbaren lassen.

Beim Bachelorstudiengang muss man mit ca. 2 Präsenztagen pro Monat rechnen. Diese finden in Frankfurt statt.

Welche Einschreibefristen sind zu berücksichtigen?

Das Bachelorstudium beginnt wieder im September/Oktober. Bewerbungen sind ab sofort möglich. Das Studium an der EAdA beginnt im Oktober. Hier gibt es Bewerbungsfristen und -verfahren, die im Detail aus dem Internet entnommen werden können:

www.eada.uni-frankfurt.de.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Redaktion