Interview: Forschung zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung

Das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) wurde im September 2014 gegründet. Ziel des FGW ist es, in Zeiten unübersichtlicher sozialer und ökonomischer Veränderungen aus der Forschung neue interdisziplinäre Impulse zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung zu geben. Wir sprechen mit Prof. Dr. Till van Treeck von der Universität Duisburg-Essen, dem Geschäftsführer der FGW für den hochschulblog.

In welchen Themen engagiert sich das FGW? Welche Forschungsfragen werden durch das FGW unterstützt?

Die Forschungsagenda des FGW weist zwei Besonderheiten auf: Erstens gibt es ein klares Bekenntnis, gesellschaftlich relevante Forschung zu fördern. Das bedeutet: Forschung soll nicht als „L'art pour l'art“ betrieben werden, sondern an konkrete gesellschaftliche Herausforderungen angedockt sein. Um diesen Fokus zu verstärken, soll sich die Forschung zweitens an normativ gesetzten gesellschaftlichen Zielen orientieren. In unserem Fall ist es das Ziel, gesellschaftlichen Desintegrationstendenzen entgegenzuwirken. Natürlich funktioniert die von uns geförderte Forschung entlang den üblichen Qualitätskriterien wissenschaftlicher Sorgfalt und ist in Bezug auf die Ergebnisse selbstverständlich ergebnisoffen. Die Forschungsfragen, die bearbeitet werden, haben jedoch eine normative gesellschaftspolitische Ausrichtung. Inhaltlich beschäftigen wir uns dabei mit der sozialräumlichen Spaltung im urbanen Raum, mit den Folgen der Digitalisierungsprozesse v.a. für die Beschäftigten, mit Ansätzen des neuen ökonomischen Denkens sowie mit Instrumenten der vorbeugenden Sozialpolitik.  

In welcher Form kann das FGW Forschung fördern? Wie viele Projekte und Expertisen werden finanziert? Gibt es über die Finanzierung hinaus auch andere Formen der Unterstützung?

Das FGW fördert kleinere und größere Forschungsprojekte: von kleinen Expertisen im Bereich von einigen tausend Euro bis hin zu zweijährigen Forschungsprojekten im Umfang von 200.000 Euro eine breite Palette. Derzeit fördern wir 54 Projekte, die alle auf unserer Webseite einsehbar sind. Abgesehen von der Finanzierung vernetzen wir die Projektnehmer/innen unserer größeren Forschungsprojekte, bilden Cluster verwandter Forschungsfelder und suchen nach Synergien bei der Datenerhebung oder auch beim späteren Transfer der Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit.

Ganz besonders interessant ist für Gewerkschaften die Forschungsförderung im Themen-bereich „Digitalisierung von Arbeit – Industrie 4.0“. Welche Fragestellungen werden hier von der Wissenschaft bearbeitet?

Weil wir ein sozialwissenschaftliches Institut sind, legen wir unseren Fokus nicht auf die Digitalisierungspotentiale einzelner Branchen im Sinne einer Generierung von wirtschaftlich-technischer Innovation. Das ist der Schwerpunkt anderer Forschungsstränge, die komplementär zu unserem arbeitssoziologischen Ansatz sind. Für uns steht vielmehr die soziale Folgenabschätzung dieser Innovationen im Vordergrund. Wie verändert Digitalisierung die Arbeitswelt, und was bedeutet dies für die Qualifizierung, für die Mitbestimmung oder in Bezug auf die Geschlechterverhältnisse? Für das FGW und unser für diesen Themenbereich zuständiges Vorstandsmitglied Prof. Hartmut Hirsch-Kreinsen ist vor allem die Frage relevant, wie wir die antizipierten Trends sozioökonomischer Entwicklung, die durch die Digitalisierung induziert werden, gesellschaftlich gestalten können.   

Wie können sich interessierte Kolleginnen und Kollegen über die laufenden Forschungs-projekte informieren? Wo finden sich weitere Informationen?

Dass alle unsere Projekte auf der Webseite einsehbar sind, habe ich bereits erwähnt. Die bereits eingelangten Forschungsergebnisse sind dort natürlich auch schon veröffentlicht. Des Weiteren kann man sich über unsere Aktivitäten unkompliziert auf unserer Facebookseite informieren. Demnächst werden wir auch ein Newsletter-Tool entwickeln, mit dem wir Informationen über mehrere Dimensionen hinweg passgenau zustellen können. Womöglich haben Sie bei uns eine Veranstaltung im Bereich vorbeugende Sozialpolitik besucht, ein Bereich den übrigens Prof. Ute Klammer im Vorstand verantwortet. Diese Teilnahme wird bei uns vermerkt. Wenn Sie zusätzlich beispielsweise als Betriebsrat eingetragen sind, bekommen Sie künftig Informationen für diesen Themenbereich mit Fokus auf zivilgesellschaftliche AkteurInnen.

Sind Veranstaltungen wie z.B. jene am 4. April zu „Politische Trends vor den Wahlen in NRW“ mit Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte öffentlich? Ist ein Dialog mit Menschen aus der Berufspraxis gewünscht?

Die Veranstaltung ist öffentlich. Selbstverständlich gibt es auch für die Gäste Raum, sich einzubringen. Eine Anmeldung ist über unsere Webseite möglich.  

Hilft die Einrichtung und Förderung des FGW für die Bearbeitung von gesellschaftlich relevanten Forschungsfragen? Was läuft bereits erfolgreich, wo sehen Sie noch Potentiale in der Forschungsförderung?

Da der Großteil unserer Forschungsprojekte erst im Herbst 2016 angelaufen ist, wäre es viel zu früh, bereits jetzt Bilanz zu ziehen. Wir sind zufrieden mit dem 2015 durchgeführten Dialogprozess zur Identifikation von relevanten Forschungsfragen und denken, dass die transdisziplinäre Herangehensweise mit der Einbindung von Wissenschaft, Politik/Verwaltung und Zivilgesellschaft zu fruchtbaren Ergebnissen geführt hat. Auch die ersten eingegangenen Ergebnisse unserer kleineren Expertisen gehen in die vom FGW intendierte Richtung. Insofern sehen wir bis dato unser Ziel, gesellschaftlich relevante Forschung zu fördern, recht gut erfüllt.  
 

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