Hinterbänkler im Bildungsranking Lateinamerikas

„Unter Alberto Fujimori, aber auch unter Alan García ist viel kaputt gegangen.“ (Eleonora Morales Azurín)

Dafür ist die Politik mitverantwortlich, so die Leiterin der Schule Fe y Alegría 21 in Perus Touristenmetropole Cusco, Eleonora Morales Azurín. „Unter Alberto Fujimori, aber auch unter Alan García ist viel kaputt gegangen. Man hat versucht die gewerkschaftlichen Strukturen zu zerschlagen“, so die 55-jährige Rektorin von Fe y Alegría 21. Beiden Ex-Präsidenten war die starke Lehrergewerkschaft ein Dorn im Auge. Dem einen, Fujimori (1990-200), waren die Lehrer zu links, der andere, García (1985-1990 und 2006-211) nahm sie als Konkurrenz zu seiner sozialdemokratischen Partei, der Apra, war. Für das Ansehen der Lehrer im Land war das ein Desaster und hat zur fehlenden Motivation in den Lehrerzimmern genauso beigetragen wie die niedrigen Löhne. 2600 Soles, rund 670 Euro, verdient der Grundschullehrer Javier Castillo López von der Schule Fe y Alegría in Cusco nach mehr als zwanzig Berufsjahren. Neueinsteiger erhalten mit 1400 Soles (365 Euro) zwar deutlich mehr als den Mindestlohn von 850.- Soles, aber das fünfjährige Studium wird nicht gerade honoriert.

Ein Grund, weshalb relativ viele Lehrer in Peru nach dem Unterricht einem zweiten Job nachgehen. Allerdings gibt es auch Schulen, wo es besser läuft. Zu denen gehören die 81 Bildungseinrichtungen von Fe y Alegría, einem kirchlichen Bildungsträger, der nicht nur in Peru, sondern in vielen Ländern Lateinamerikas aktiv ist und wo nach modernen pädagogischen Konzepten, aber mit den gleichen Etat wie an staatlichen Schulen gearbeitet wird. Flache Hierarchien im Lehrerzimmer und regelmäßige Fortbildung gehören zum Konzept, erklärt Eleonora Morales Azurín.

Das sorgt dafür, dass die Schüler in den Vergleichstest zwischen den Schulen deutlich besser abschneiden. Das schätzen Bildungsexperten wie Lerner und hoffen auf Einsicht bei den Verantwortlichen im Bildungsministerium. Dort hat es in den letzten Monaten nach der Vereidigung des neuen Präsidenten Martín Vizcarra ein großes Stühlerücken gegeben. Eventuell nicht ohne Grund, denn der neue Mann im Präsidentenpalast hat sich auf regionaler Ebene bereits einmal erfolgreich für bessere Strukturen im Bildungssektor engagiert. Als Staatschef könnte er es nun noch einmal machen.

Neuen Kommentar schreiben